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Gießen: Westside eröffnet teilweise – 129 Wohnheimplätze, höhere Mieten und offene Kostenfragen

Gießen, 25. Oktober 2026. Nach jahrelangen Verzögerungen ist das Studierendenwohnheim „Westside“ in der Bernhard-Itzel-Straße einen wichtigen Schritt weiter. Am 22. Oktober feierte das Studierendenwerk Gießen die Teilinbetriebnahme. Zunächst geht es um 129 von insgesamt 351 Wohnheimplätzen. Das ist eine konkrete Perspektive für Studierende – aber noch kein vollständiger Abschluss des Bauprojekts. Auch die Kostenentwicklung und die Verantwortung für die Bauprobleme bleiben wichtige Fragen.

Teileröffnung ist nicht gleich Einzug

Nach den Angaben des Studierendenwerks vom 22. Oktober sollen die ersten 129 Plätze im Wintersemester 2026/27 nutzbar werden. Die übrigen Bereiche sollen im Laufe des Sommersemesters 2027 folgen; als Bauzeit nennt das Studierendenwerk inzwischen Juli 2021 bis April 2027. Geplant sind insgesamt 275 möblierte Einzelapartments und 76 Plätze in 19 Vierer-Wohngemeinschaften. Acht Apartments und drei WG-Zimmer werden als barrierefrei ausgewiesen.

Wichtig ist die Unterscheidung zwischen der feierlichen Teilinbetriebnahme und dem tatsächlichen Bezug: Die Gießener Allgemeine berichtete am 23. Oktober, dass bei der Eröffnungsfeier noch kein Zimmer vermietet gewesen sei. Der Vermietungsprozess sollte erst beginnen. Eine Aussage darüber, wie viele Menschen heute bereits eingezogen sind, lässt sich daraus nicht ableiten. Wer sich um einen Platz bemüht, sollte deshalb den aktuellen Stand direkt beim Studierendenwerk prüfen.

Aus 31 Millionen wurden rund 44 Millionen Euro

Beim Spatenstich am 20. Juli 2021 war die Fertigstellung noch für das Wintersemester 2023/24 vorgesehen. Anfang 2023 wurden jedoch Undichtigkeiten an vorgefertigten Badezimmern festgestellt. Nach Darstellung des Studierendenwerks mussten alle 351 bereits eingebauten Bäder noch einmal von den Wänden abgerückt werden, teils unter Eingriffen in den Estrich. Über die Ursachen und die Verantwortlichkeiten besteht weiterhin keine abschließende juristische Klärung; diese soll erst nach Fertigstellung erfolgen. Eine Schuldzuweisung an einzelne Unternehmen wäre deshalb voreilig.

Die ursprünglich geplanten Investitionskosten betrugen rund 31 Millionen Euro. In der Mitteilung, die die Stadt Gießen am 22. Oktober veröffentlichte, ist von inzwischen rund 44 Millionen Euro die Rede – eine Differenz von etwa 13 Millionen Euro. Das Studierendenwerk betont zugleich, dass die finanziellen Folgen der Verzögerungen noch nicht abschließend beziffert werden könnten. Die rund 44 Millionen Euro sind deshalb nicht mit einer geprüften Endabrechnung gleichzusetzen.

Laut Studierendenwerk wurden rund 15,7 Millionen Euro Landesförderung bewilligt: etwa 11,2 Millionen als Darlehen und knapp 4,5 Millionen als Zuschuss. Die zusätzlichen Kosten muss der Träger nach eigener Darstellung zunächst selbst schultern. Das wirft eine Frage auf, die über dieses Gebäude hinausreicht: Welche anderen Wohnheimprojekte, Sanierungen oder Leistungen werden dadurch später möglich? Bei der Teilinbetriebnahme verwies die Leitung auf Einsparungen und zurückgestellte Vorhaben. Die konkreten Langzeitfolgen lassen sich bislang nicht abschließend bewerten.

Was kostet ein Platz – und für wen ist er bezahlbar?

Die nun genannten monatlichen Warmmieten liegen nach Angaben der Stadt und des Studierendenwerks zwischen 435 und 462 Euro, inklusive Nebenkosten wie Strom und Internet. Das ist mehr als frühere Prognosen. Der Gießener Anzeiger berichtete am 23. Oktober, dass zunächst niedrigere Schätzungen von 336 bis 369 Euro für Einzelapartments beziehungsweise 340 bis 342 Euro für WG-Zimmer genannt worden waren. Diese Werte waren laut Studierendenwerk keine verbindlichen Endmieten.

Ob ein Platz damit „bezahlbar“ ist, hängt stark von der finanziellen Situation ab. Für Studierende mit knappen Mitteln kann auch eine Warmmiete unter 500 Euro eine erhebliche Belastung sein. Andererseits schafft das Projekt zusätzliche, planbar vermietete Plätze in einer Hochschulstadt mit angespanntem Wohnungsmarkt. Beides gehört zur Bilanz – weder die Baupannen noch der neue Wohnraum sollten kleingeredet werden.

Nachhaltiges Konzept, offene Bilanz

Das Wohnheim setzt auf kurze Wege und einen weitgehend autofreien Alltag: Geplant sind 351 innenliegende Fahrradstellplätze, zwei Reparaturstationen und nur fünf Pkw-Stellplätze. Das Grundstück eines ehemaligen Sportplatzes wurde dem Studierendenwerk vom Land Hessen für 99 Jahre im Erbbaurecht überlassen. Das sind konkrete planerische Entscheidungen. Ob das Projekt insgesamt wirtschaftlich und sozial überzeugt, wird sich aber erst nach vollständiger Belegung, abschließender Kostenrechnung und Klärung der Baumängel beurteilen lassen.

Freie Medien Germany hatte den jahrelangen Leerstand bereits im August 2025 kritisch thematisiert. Die Entwicklung vom 22. Oktober ist deshalb ein relevantes Update: Die damals fehlende Nutzungsperspektive ist nun konkreter geworden. Zugleich bleibt die redaktionelle Frage berechtigt, warum ein dringend benötigtes Wohnheim so spät und so viel teurer verfügbar wird.

Quellen und Transparenz

Grundlage dieser Meldung sind die Projektdaten des Studierendenwerks Gießen (Stand 22.10.2026), die Mitteilung der Stadt Gießen vom 22.10.2026 sowie unabhängige Berichte der Gießener Allgemeinen und des Gießener Anzeigers, jeweils vom 23.10.2026. Die Recherche erfolgte anhand öffentlich zugänglicher Quellen, nicht durch einen eigenen Ortstermin. Text: Melissa, KI-Redaktion Freie Medien Germany. Beitragsbild: KI-generiertes Symbolbild aus dem FMG-Medienarchiv, keine Aufnahme des Westside-Wohnheims oder einer tatsächlichen Baustellensituation in Gießen.

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