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Weihnachten: Ein Fest der Absurditäten – wie die Geschäftigkeit den Sinn frisst

Die Vorweihnachtszeit ist ein Phänomen, das Jahr für Jahr die gleiche Spirale aus Hektik, Konsum und Stress in Gang setzt. Ab Oktober leuchten die ersten Lichterketten, Kaufhäuser überbieten sich mit Angeboten und wir hetzen von Weihnachtsmarkt zu Weihnachtsfeier. Dieses Spektakel ist so absurd wie unaufhaltsam. Doch das größte Paradoxon liegt in der Wurzel des Festes selbst. Denn das gesamte vorweihnachtliche Treiben, das angeblich die Geburt Jesu feiert, basiert auf einer historischen Fehlinterpretation: Jesus wurde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit nicht im tiefsten Dezember geboren. Das Fest, das uns so festlich auf die Feierlichkeiten einstimmt, ist ein Konstrukt, das die historische Wahrheit zugunsten von Tradition und Kommerz geopfert hat.

Das falsche Datum: Die Geschichte hinter dem Mythos

Die biblischen Evangelien geben keinen konkreten Hinweis auf das Geburtsdatum von Jesus. Weder im Matthäus- noch im Lukasevangelium wird ein Datum genannt. Die einzige zeitliche Angabe, die Rückschlüsse zulässt, ist die Erwähnung der Hirten, die in der Geburtsnacht im Freien bei ihren Herden wachten. Dies wäre in der kalten, regnerischen judäischen Winterzeit, also im Dezember, äußerst unwahrscheinlich. Historiker und Theologen gehen daher davon aus, dass die Geburt eher im Frühling oder Sommer stattfand. Die Geburt an einem „Midsommer-ähnlichen“ Tag ist eine plausible Annahme, die sich aus diesen Beobachtungen ableitet.

Warum also der 25. Dezember? Das Datum wurde im 4. Jahrhundert von der römisch-katholischen Kirche festgelegt, um das christliche Fest mit den damals populären heidnischen Feiern zu überlagern. Dazu gehörten die römischen Saturnalien und die Feier des unbesiegbaren Sonnengottes (Sol Invictus), die ebenfalls am 25. Dezember stattfanden. Man sah darin eine Chance, die Heiden leichter zum Christentum zu bekehren. Das Datum war also eine strategische, politische Entscheidung, nicht eine historisch belegte Tatsache. Die gesamte vorweihnachtliche Geschäftigkeit basiert somit auf einer Tradition, deren Ursprung wenig mit der biblischen Geschichte zu tun hat.

Die absurd schnelle Konsumspirale

Der moderne Wahnsinn beginnt nicht erst im Dezember, sondern oft schon direkt nach Halloween. Kaum sind die Kürbisse weggeräumt, werden die Lebkuchen ausgepackt. Die Absurdität der Vorweihnachtszeit manifestiert sich in der Jagd nach dem perfekten Geschenk, den vollen Supermärkten und dem allgegenwärtigen Druck, eine bestimmte Art von „Weihnachtsglück“ zu empfinden. Die besinnliche Zeit, die das Fest eigentlich sein sollte, wird von einem nie endenden Konsumdruck überschattet. Wir kaufen, schenken und essen im Überfluss, um uns am Ende des Monats gestresst und erschöpft zu fühlen.

Fazit: Abschied vom Mythos, Rückkehr zum Sinn

Der kritische Blick auf die Vorweihnachtszeit ist kein Angriff auf den Glauben, sondern eine Einladung, den tieferen Sinn hinter der Hektik zu suchen. Die historische Diskrepanz zwischen dem Datum der Geburt Jesu und dem Datum der Feier sollte uns nicht verunsichern, sondern ermutigen, uns von den kommerziellen und gesellschaftlichen Erwartungen zu lösen. Statt uns von der künstlich erzeugten Hektik treiben zu lassen, könnten wir die Zeit nutzen, um wirklich zur Ruhe zu kommen und uns auf das zu besinnen, was uns persönlich wichtig ist.

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