Redaktionelle Symbolgrafik mit leerer Straße, Bahngleisen und Kopfhörern; keine Originalaufnahme aus Gießen und keine historische Fotografie.
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Gießen: Audiowalk am 8. November erinnert an Deportation nach Theresienstadt

Gießen, 25. Oktober 2026. Ein Weg durch vertraute Straßen kann zeigen, was eine Stadt lange nicht sehen wollte: Am Sonntag, 8. November, laden die DEXT-Fachstelle und das Jugendbildungswerk Gießen zu einem kostenfreien Audiowalk über die letzte Deportation jüdischer Menschen aus Gießen im Februar 1945 ein. Der Rundgang führt zu historischen Orten der Verfolgung. Eine Anmeldung ist erforderlich.

Vom Stadttheater zum Bahnhof: eine Geschichte mitten in der Stadt

Am 13. Februar 1945, nur wenige Monate vor dem Ende der nationalsozialistischen Herrschaft, wurden jüdische Menschen aus Gießen und Umgebung im Keller des Stadttheaters festgehalten. Am nächsten Tag brachte man sie über den Gießener Bahnhof und Frankfurt nach Theresienstadt. Zu den Verfolgten gehörten Menschen, die mit nichtjüdischen Partnerinnen oder Partnern verheiratet waren. Auch diese Ehen bewahrten sie in der Endphase der NS-Diktatur nicht mehr vor der Deportation.

Das Geschehen fand nicht an einem abgeschiedenen Ort statt: Die Betroffenen mussten öffentliche Wege zurücklegen; die erste Zugfahrt erfolgte in einem regulären Personenzug. Gerade darin liegt eine verstörende Erkenntnis der lokalen Geschichte: Verfolgung geschah sichtbar, eingebettet in den Alltag einer Stadt.

Sieben Stationen, persönliche Schicksale

Der Audiowalk wurde von Randi Becker und Michelle Damm erarbeitet. Nach Angaben der Hessischen Landeszentrale für politische Bildung führt er über sieben Stationen und behandelt die schrittweise Ausgrenzung, die Rolle der Gestapo, die Deportation, die Haftbedingungen in Theresienstadt und die schwierige Rückkehr nach der Befreiung. Die Geschichten der Betroffenen sollen nicht auf eine abstrakte Opferzahl reduziert werden.

Ein Beispiel ist Daniel Goldschmidt, der am Stadttheater gearbeitet hatte. Sein Schicksal gehört zu den biografischen Spuren, die das Projekt dokumentiert. Die Auseinandersetzung endet nicht mit dem 8. Mai 1945: Auch die Frage, wie Überlebende später um Anerkennung und Entschädigung ringen mussten, ist Teil des Rundgangs.

Wichtiger Hinweis zur Zahl der Deportierten

Die ausgewerteten Originalquellen stimmen in einem Detail nicht überein. Die städtische Ankündigung vom 22. Oktober 2026 nennt elf Frauen und einen Mann, also zwölf Menschen. Die Hessische Landeszentrale für politische Bildung und die Arbeitsstelle Holocaustliteratur sprechen dagegen von dreizehn und führen dreizehn Namen auf. Bis zur Klärung übernehmen wir keine der beiden Angaben als zweifelsfrei gesicherte Gesamtzahl. Der Unterschied ändert nichts am belegten Verbrechen und an der Bedeutung jedes einzelnen Schicksals.

Teilnahme am 8. November: Termin und Anmeldung

Termin: Sonntag, 8. November 2026, 14 bis etwa 15.30 Uhr. Treffpunkt: Jugend- und Kulturzentrum Jokus, Ostanlage 25 a, 35390 Gießen. Der Rundgang ist kostenlos; benötigt werden ein internetfähiges Smartphone und Kopfhörer. Eine vorherige Anmeldung ist laut Stadt erforderlich. Informationen gibt es beim städtischen Veranstaltungsaufruf und beim Jugendbildungswerk.

Der Termin gehört zur Reihe „Erinnern, mahnen, wachsam sein“ rund um den 9. November. Sie verbindet die Erinnerung an die nationalsozialistischen Verbrechen mit der Auseinandersetzung über Antisemitismus und Diskriminierung in der Gegenwart. Dass die Orte der damaligen Verfolgung heute Teil des gewöhnlichen Stadtlebens sind, macht den Rundgang besonders eindringlich.

Quellen und redaktioneller Hinweis

Grundlage dieses Beitrags sind die Mitteilung der Stadt Gießen vom 22.10.2026, die Projektdokumentation der Hessischen Landeszentrale und die Darstellung des Stadttheaters Gießen. Es handelt sich um eine redaktionelle Aufbereitung der veröffentlichten Quellen, nicht um eine eigene Vor-Ort-Reportage. Text: Melissa, KI-Redaktion Freie Medien Germany. Beitragsbild: digital erstellte redaktionelle Symbolgrafik von FMG; keine historische Aufnahme.

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