KI-generierte Symbolillustration zu Bildung und Familie: heller Klassenraum mit Schulbüchern, Stiften, Holzspielzeug und offener Tür; keine realen Personen.
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Afghanistan: 53 Prozent der Kinder im Grundschulalter außerhalb regulärer Bildung – UNESCO und UNICEF warnen

Kabul/Paris, 4. November 2026. Ein neuer gemeinsamer Bildungsbericht von UNESCO und UNICEF zeichnet ein bedrückendes Bild der Lage in Afghanistan: 53 Prozent der Kinder im Grundschulalter befinden sich nach Angaben der Organisationen außerhalb der formalen allgemeinen Schulbildung. Der „Afghanistan Education Situation Report 2026“ wurde am Mittwoch veröffentlicht. Gleichzeitig bleiben Mädchen ab der weiterführenden Schule weiterhin weitgehend systematisch ausgeschlossen.

Was die Zahl von 53 Prozent bedeutet

Die Zahl bezieht sich ausdrücklich auf Kinder im Grundschulalter und auf die formale allgemeine Bildung. Sie ist weder eine Quote für die gesamte Bevölkerung noch eine Aussage darüber, dass jede einzelne betroffene Person überhaupt keine Lernmöglichkeit hätte. Informelle Angebote, gemeindenahe Unterrichtsformen oder private Förderung können zusätzlich existieren. Sie ersetzen nach Einschätzung von UNESCO und UNICEF aber nicht den regulären Anspruch auf Schulbildung.

Der Bildungsbedarf wächst: Nach Angaben des Berichts stieg die Bevölkerung im Schulalter von etwa 10,4 Millionen im Jahr 2019 auf 11,5 Millionen im Jahr 2024. Zugleich waren 2025 rund 6,6 Millionen Kinder in öffentlichen Grundschulen eingeschrieben, etwa 560.000 mehr als 2022. Die beiden Zahlenreihen dürfen nicht direkt miteinander verrechnet werden, da sie sich auf verschiedene Alters- und Erhebungsgruppen beziehungsweise Jahre beziehen. Die Organisationen betonen, dass die Zunahme der Einschreibungen mit dem Bevölkerungswachstum nicht Schritt hält.

Mädchen über die Grundschule hinaus weiterhin ausgeschlossen

Besonders gravierend ist die andauernde Beschränkung der Bildung von Mädchen und Frauen durch die Taliban-De-facto-Behörden. Laut UNESCO und UNICEF wurde mehr als 2,6 Millionen Mädchen seit 2021 der Zugang zur weiterführenden Bildung verweigert. Für Frauen bestehen außerdem weiterhin Verbote beim Hochschulzugang. Die Organisationen fordern die vollständige Wiederherstellung des Rechts auf Bildung.

Um trotzdem Lernmöglichkeiten zu schaffen, werden unter anderem gemeindebasierte Kurse, Distanzunterricht und Bildungsangebote außerhalb des üblichen Schulbetriebs organisiert. Nach Angaben der beiden UN-Organisationen bestanden im Oktober 2026 etwa 5.300 gemeindenahe Klassen, die rund 162.000 Lernende erreichten; 64 Prozent von ihnen waren Mädchen. Das ist eine Hilfe für einzelne Kinder, aber im Verhältnis zur Größe der dokumentierten Bildungslücke deutlich begrenzt. Der Bericht bewertet solche Ersatzangebote ausdrücklich nicht als gleichwertige Lösung.

Auch in Schulen ist der Lernerfolg oft unzureichend

Es geht nicht nur darum, ob Kinder eingeschrieben sind, sondern auch darum, was sie tatsächlich lernen können. Bei einer landesweiten Erhebung mit mehr als 55.000 Schülerinnen und Schülern aus allen 34 Provinzen erreichte nach Angaben von UNESCO und UNICEF weniger als die Hälfte der Viertklässler das Mindestniveau der dritten Klassenstufe in Sprache. In Mathematik schaffte es nur etwa ein Viertel. Die Angaben beziehen sich auf die in dem Bericht verwendeten Vergleichsstandards, nicht auf einen international identischen Schulabschluss.

Hinzu kommt die schwache frühkindliche Förderung: Weniger als eines von 100 Kindern im Alter von drei bis vier Jahren nimmt laut Bericht an Programmen frühkindlicher Bildung teil. Versäumte Grundlagen können sich über weitere Schuljahre auswirken, auch wenn sich die individuellen Folgen daraus nicht präzise vorhersagen lassen.

Rückkehrer erhöhen den Druck auf Schulen

Ein weiterer Faktor sind große Rückkehrbewegungen. Bis September 2026 kehrten den Angaben zufolge etwa 1,23 Millionen Menschen im laufenden Jahr nach Afghanistan zurück. Für mehr als 245.000 Kinder unter diesen Rückkehrenden bestand Bildungsunterstützungsbedarf. Besonders in Regionen mit vielen Rückkehrerfamilien reichen bestehende Schulen, Lehrkräfte und Unterrichtsmaterialien nur schwer aus.

An Hochschulen waren 2026 etwa 208.000 Studierende eingeschrieben, gegenüber 189.000 im Jahr 2024. Trotz dieses Anstiegs liegt die Zahl weiterhin weit unter den rund 430.000 Studierenden des Jahres 2020. Die Bildungseinschränkungen für Frauen verzerren den Zugang zusätzlich.

Bildungskrise ist mehr als eine Einschreibungsstatistik

Die neuen Ergebnisse beschreiben mehrere miteinander verknüpfte Probleme: gesetzliche beziehungsweise behördliche Einschränkungen des Zugangs für Mädchen und Frauen, zu wenige reguläre Schulplätze für eine wachsende Bevölkerung, fehlende Qualität des Unterrichts und zusätzliche Anforderungen durch Rückkehrer. Wer ausschließlich eine dieser Ursachen betrachtet, übersieht einen wichtigen Teil des Bildes.

UNESCO und UNICEF fordern deshalb sowohl die Aufhebung der Beschränkungen für Mädchen und Frauen als auch dauerhafte Investitionen in Lehrkräfte, Unterrichtsmaterialien und schulische Infrastruktur. Die Organisationen veröffentlichen hier eine Lagebewertung und politische Forderungen. Das bedeutet nicht, dass die geforderten Veränderungen bereits umgesetzt oder finanziert wurden.

Quellen und Bildnachweis

Originalquellen: UNESCO/UNICEF, „More than half of primary school-age children in Afghanistan outside formal education“, 4. November 2026; ergänzend UNICEF Deutschland, Meldung vom 14. August 2026 zum Verbot weiterführender Bildung für Mädchen. Alle verwendeten Statistikwerte stammen aus dem heute veröffentlichten gemeinsamen Bericht; FMG hat keine eigenen Erhebungen in Afghanistan durchgeführt.

Beitragsbild: bestehende KI-generierte FMG-Symbolillustration „Bildung und Familie“ mit fiktiver Klassenzimmerszene; keine Aufnahme einer Schule oder betroffener Kinder in Afghanistan. Redaktion: KI-Redaktion Melissa / Freie Medien Germany.

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