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Im Schatten des Wohlstandsevangeliums: Das Schweigen von Joseph Prince und das System der Megakirchen

Wer kritische Fragen an das Umfeld von Megakirchen-Predigern stellt, stößt selten auf theologische Offenheit. Stattdessen regieren Mauern des Schweigens, professionelles Abblocken und eine auffällige Neugier darauf, wer hinter den Recherchen steckt.

Ein Fallbeispiel liefert der aus Singapur stammende Pastor Joseph Prince. Weltweit bekannt durch millionenfach ausgestrahlte Sendungen, Bestsellerbücher und Auftritte, die eher an Arena-Rockkonzerte erinnern als an traditionelle Gottesdienste, predigt der Leiter der New Creation Church ein maßgeschneidertes „Wohlstandsevangelium“: Wer recht glaube, werde reich, gesund und gesegnet.

Doch sobald investigative Pressearbeit die Glanzfassade hinterfragt, wandelt sich die pastorale Herzlichkeit schlagartig.

Das hermetische Schweigen aus Singapur

Einfache, journalistische Standardanfragen – etwa zur Bestätigung seines realen Alters, der exakten Zusammensetzung seiner persönlichen Einkünfte, Tantiemen oder den Vermögensstrukturen hinter den Übersee-Organisationen – werden schlichtweg ignoriert. Keine Auskunft, kein Dementi, keine Zahlen.

Auffällig ist jedoch die Reaktion hinter den Kulissen: Statt einer Pressesprecher-Antwort registrieren Journalisten immer wieder digitale Spuren und ungewöhnliche Zugriffe aus dem Umfeld Singapurs, die eher an ein gezieltes Ausspähen und Profiling des Fragestellers erinnern als an transparente Öffentlichkeitsarbeit. Man gewinnt unweigerlich den Eindruck: Hier gibt es etwas zu verbergen. Wo kein Licht hineinscheinen darf, liegt meist mehr im Dunkeln als nur eine persönliche Privatsphäre.

Vom Kommodentisch bis zum Flugzeugabsturz: Ein bekanntes Muster

Die Intransparenz von Joseph Prince ist kein Einzelfall, sondern ein strukturelles Symptom vieler freier christlicher Bewegungen und charismatischer Megagemeinschaften. Führungspersönlichkeiten dieser Szene geraten regelmäßig mit finanzieller Maßlosigkeit oder verstörenden Thesen in die Schlagzeilen:

  • Der 23.000-Dollar-Tisch von Joyce Meyer: Vor Jahren geriet die US-Predigerin ins Visier einer Senatsuntersuchung rund um steuerfreie Spendengelder. Symbolträchtig blieb dabei die Anschaffung eines antiken Luxustischs für stolze 23.000 US-Dollar für das Ministerium – bezahlt aus Geldern von Gläubigen, die für Gottes Reich spendeten.
  • Verstörende Kanzel-Rhetorik: Wie zynisch manche Kanzelbotschaften werden können, zeigte sich unter anderem bei Pastor Peter Wegert aus Hamburg (Arche), der nach dem tragischen Germanwings-Absturz in den französischen Alpen öffentlich darüber spekulierte, dass Opfer womöglich wegen Sünden oder mangelnder Umkehr umgekommen seien – eine theologische Täter-Opfer-Umkehr, die selbst gläubige Beobachter fassungslos zurückließ.

Saus und Braus gegen das letzte Ersparte

Das Narrativ bleibt stets dasselbe: Den Anhängern wird eingeredet, dass Gott das „Opfern“ und den „Zehnten“ belohnt. Wer wenig hat, soll noch mehr geben, um den Segen freizusetzen. Während an der Basis Rentner und Familien ihr Erspartes abgeben, residieren die Galionsfiguren in Luxusanwesen, fliegen First Class oder besitzen eigene Jets.

Dass dieses System im Zweifel auch vor juristischer Härte nicht zurückschreckt, belegen Fälle aus Deutschland: In Hessen setzte eine charismatisch geprägte Gruppe aus Gießen ein ehemaliges Mitglied sogar per gerichtlichem Mahnbescheid unter Druck, um angebliche finanzielle Zusagen und Forderungen einzutreiben. Das Vorgehen: Juristisch formell oft unangreifbar, rhetorisch messerscharf formuliert, menschlich und geistlich jedoch absolut zerstörerisch.

Fazit: Zeit für schärfere Maßstäbe

Kirchen und religiöse Vereine genießen in vielen Demokratien enorme steuerliche Privilegien. Doch wenn Prediger wie Joseph Prince Milliardenwerte generieren, Transparenzanfragen blockieren und eine Kultur der Einschüchterung etablieren, darf der Glaube kein Schutzschild mehr sein. Es bedarf einer schärferen zivilgesellschaftlichen und steuerrechtlichen Kontrolle. Wer die Botschaft der Nächstenliebe predigt, muss sich auch die Frage nach seinen irdischen Konten gefallen lassen.

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