KI-generiertes Symbolbild: heller Krankenhausflur mit Stethoskop und Krankenakte; keine Aufnahme einer realen Klinik.
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Marburg: Zahnforscher erhält Förderpreis für Studie über fehlende Backenzahnkontakte

Marburg, 5. November 2026. Der Marburger Zahnarzt und Wissenschaftler Christian Ulrich Lotzmann hat beim DGZMK/BZÄK-Förderpreis 2026 den ersten Platz in einer Kategorie für klinische Forschung gewonnen. Die mit 3.000 Euro dotierte Auszeichnung würdigt eine Untersuchung dazu, wie sich fehlende Zahnkontakte im Seitenzahnbereich auf die Funktion von Kiefergelenk und Kaumuskeln auswirken können. Das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) teilte den Erfolg am Donnerstag mit.

Was wurde untersucht?

Die Studie befasste sich mit einer praktischen Frage der Zahnmedizin: Was passiert beim Zubeißen, wenn auf einer Seite im hinteren Gebiss Zahnkontakte fehlen? Um das zu untersuchen, simulierte das Forschungsteam bei jungen Erwachsenen mithilfe speziell angefertigter Schienen einen solchen Kontaktverlust. Die natürlichen Zähne der Teilnehmenden blieben nach Angaben des UKGM unbeschädigt.

Während die Versuchspersonen kräftig zubissen, zeichnete ein optisches Messsystem die Bewegungen des Kiefers auf. Gleichzeitig wurde die Aktivität des Kaumuskels registriert. So konnten die Forschenden Veränderungen in der Gelenkposition mit der Muskelaktivität unter den jeweiligen Versuchsbedingungen vergleichen.

Den Angaben zufolge zeigten sich unmittelbare funktionelle Veränderungen, wenn auf einer Seite die entsprechenden Zahnkontakte fehlten. Das könnte bei der Planung von Zahnersatz und bei kieferorthopädischen Fragen eine Rolle spielen. Die Pressemitteilung nennt jedoch keine belastbare Fallzahl, Effektstärken oder eine langfristige Nachbeobachtung. Solche Daten wären nötig, um das Gewicht des Befunds unabhängig einzuordnen.

Warum eine Simulation nicht mit langjährigem Zahnverlust gleichzusetzen ist

Ein vorübergehend durch Schienen simulierter Kontaktverlust ist nicht dasselbe wie eine Zahnlücke, die seit Jahren besteht. Bei tatsächlichem Zahnverlust können individuelle Ausweichbewegungen, Gewohnheiten, bereits bestehende Beschwerden und Anpassungen über längere Zeit eine Rolle spielen. Die vorgestellte Untersuchung belegt nach den veröffentlichten Angaben vor allem Veränderungen unter kontrollierten Bedingungen. Sie ist keine Aussage, dass jede fehlende Backenzahnreihe automatisch Kiefergelenkerkrankungen verursacht.

Ebenso wenig lässt sich aus dem Ergebnis ableiten, welche Behandlung für eine konkrete Patientin oder einen Patienten erforderlich ist. Dafür kommt es auf Befund, Beschwerden, Zahnstatus und die fachliche Untersuchung an.

Auszeichnung beim Forschungsfachkongress in Lissabon

Lotzmann ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Poliklinik für Zahnärztliche Prothetik am Universitätsklinikum Marburg. Ausgezeichnet wurde er in der Kategorie „Klinische Studien, experimentelle Forschung mit unmittelbarem klinischem Bezug, Public Health und Versorgungsforschung“. Die Betreuung übernahm laut UKGM Professorin Heike Korbmacher-Steiner, Direktorin der Poliklinik für Kieferorthopädie in Marburg.

Nach Klinikangaben wurde der Nachwuchsförderpreis in diesem Jahr erstmals international im Rahmen des Kongresses der Continental European Division der International Association for Dental, Oral, and Craniofacial Research (CED-IADR) in Lissabon vergeben.

Der Förderpreis wird von der Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK) organisiert, von der Bundeszahnärztekammer (BZÄK) unterstützt und vom Dentalunternehmen Dentsply Sirona gefördert. Das ist für die Einordnung der Auszeichnung und ihrer Finanzierung relevant. Ein wissenschaftlicher Preis ersetzt nicht die unabhängige Prüfung einer Studie durch Fachkolleginnen und Fachkollegen.

Was für die Versorgung offenbleibt

  • Untersuchter Effekt: Veränderung von Kieferbewegung und Kaumuskelaktivität bei simuliertem einseitigen Kontaktverlust.
  • Wichtige Grenze: Eine kurzzeitige Simulation erlaubt keine direkte Prognose über langfristige Zahnverluste und deren gesundheitliche Folgen.
  • Offene Daten: Aus der Pressemitteilung gehen keine Teilnehmerzahl, vollständigen Messwerte oder Angaben über die statistische Unsicherheit hervor.
  • Möglicher Nutzen: Die Ergebnisse können weitere Untersuchungen und die Planung individueller zahnärztlicher Versorgung anregen.

Für Marburg ist die Auszeichnung ein Beispiel dafür, wie klinische Forschung aus der Universitätsmedizin überregional wahrgenommen wird. Ob aus den Erkenntnissen neue Behandlungsstandards entstehen, muss sich erst in weiteren Arbeiten zeigen.

Quellen und Bildnachweis

Originalquelle: RHÖN-KLINIKUM AG / UKGM, „Marburger Zahnarzt gewinnt internationalen Förderpreis“, 5. November 2026, 11.13 Uhr. Die Informationen zu Versuchsaufbau, Ergebnissen und Preis stammen aus der Mitteilung des Klinikbetreibers. FMG hatte keinen Zugang zu den vollständigen Studiendaten und hat die Messergebnisse nicht eigenständig überprüft.

Beitragsbild: Bereits vorhandene, KI-generierte FMG-Symbolillustration „Gesundheit und Pflege“ mit fiktiver Klinikumgebung. Keine Aufnahme des ausgezeichneten Forschers, der Studie oder des UKGM. Redaktion: KI-Redaktion Melissa / Freie Medien Germany.

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