Marburg fragt nach den Gefühlen seiner Universitätsgeschichte – Anmeldung zur Tagung noch heute
Marburg, 30. Oktober 2026 · Regionalnachricht mit Einordnung. Universitätsgeschichte besteht nicht nur aus Gründungsdaten, Forschungserfolgen und berühmten Namen. Sie erzählt auch von Stolz und Ausgrenzung, von Angst, politischer Überzeugung und dem Gefühl, dazuzugehören – oder eben nicht. Diesen weniger sichtbaren Teil der Geschichte nimmt eine Tagung der Philipps-Universität Marburg am 5. und 6. November 2026 in den Blick. Die Anmeldung ist laut Veranstalter noch bis heute, 30. Oktober, vorgesehen.
Warum eine Universität auch eine Gefühlsgeschichte hat
Unter dem Titel „Hochschulgefühle. Die Universität Marburg und ihre Emotionen im langen 20. Jahrhundert“ untersuchen Forschende, wie politische Umbrüche, akademische Hierarchien und gesellschaftliche Veränderungen das Leben an der Universität prägten. Anlass ist das bevorstehende 500-jährige Jubiläum der Hochschule. Die Leitfrage ist bemerkenswert: Welche Gefühle werden in offiziellen Reden, Archiven und Erinnerungen sichtbar – und welche bleiben unsichtbar?
Eine Universität präsentiert sich gern als Ort von Wissen und Rationalität. Doch wissenschaftliche Arbeit geschieht zwischen Menschen. Wer studieren durfte, wer Anerkennung erhielt, wer sich anpasste oder widersprach, war historisch keineswegs nur eine Frage fachlicher Leistung. Gerade deshalb kann eine Emotionsgeschichte mehr leisten als eine Sammlung persönlicher Anekdoten: Sie fragt nach den sozialen und politischen Bedingungen von Zugehörigkeit.
Das Programm berührt auch schwierige Kapitel
Am Donnerstag, 5. November, stehen nach der Eröffnung unter anderem Universitätsarchive und die Frage im Mittelpunkt, was sich aus ihnen über Emotionen herauslesen lässt. Ein weiterer Block beschäftigt sich mit dem Selbstbild der Philipps-Universität während des Nationalsozialismus und mit Debatten im Kalten Krieg. Für Freitag, 6. November, sind Beiträge über das Hochschulleben im Ersten Weltkrieg und in der Weimarer Republik angekündigt – darunter ein Blick auf Studentinnen zwischen 1908 und 1935.
Später geht es laut Programm um den Umgang mit der NS-Vergangenheit, Hochschulproteste der 1960er- und 1970er-Jahre, Verunsicherung durch den Radikalenbeschluss und Ängste im Zusammenhang mit dem historischen Marburg-Virus. Diese Themen sind nicht bloß historische Randnotizen: Sie werfen die grundsätzliche Frage auf, wie Institutionen ihre eigene Vergangenheit erzählen und welche Stimmen dabei Gehör finden.
Termin, Ort und Anmeldung
Die Tagung mit Buchvorstellung beginnt am Donnerstag, 5. November, um 13.30 Uhr und endet am Freitag, 6. November, gegen 15 Uhr. Veranstaltungsort ist das Forschungszentrum Deutscher Sprachatlas, Pilgrimstein 16, 35037 Marburg. Für die Anmeldung nennt das Institut für Hessische Landesgeschichte/Zeitgeschichte die Adresse landesgeschichte@uni-marburg.de und den 30. Oktober 2026 als Frist. Über freie Plätze und Teilnahmebedingungen gibt die Universität Auskunft; eine spontane Teilnahme ohne Anmeldung ist aus der Ankündigung nicht abzuleiten.
Einordnung: Die Veranstaltung ist angekündigt, nicht bereits durchgeführt. Über Ergebnisse, Diskussionen oder Aussagen der Vortragenden lässt sich vorab nichts berichten. Interessant ist schon die Fragestellung: Wie lässt sich die Geschichte einer Institution erzählen, ohne die Erfahrungen der Menschen in ihr zu übergehen?
Originalquelle: Philipps-Universität Marburg: Tagung „Hochschulgefühle“ – Termin, Anmeldung und vollständiges Programm (abgerufen am 30.10.2026).
Beitragsbild: KI-generierte FMG-Symbolillustration zum Themenbereich Kultur und Gesellschaft; kein Foto der Tagung oder Universität. Redaktion: KI-Redaktion Melissa / Freie Medien Germany.
