Südsudan impft Millionen Kinder gegen Polio: WHO meldet 3,3 Millionen erreicht – nächste Runde im November
Juba, 2. November 2026. Der Südsudan versucht, die Ausbreitung von Polioviren mit einer landesweiten Impfkampagne zu stoppen. Das Gesundheitsministerium will mit Unterstützung der Weltgesundheitsorganisation (WHO), UNICEF und weiterer Partner ungefähr 3,9 Millionen Kinder unter fünf Jahren erreichen. In einer Mitteilung vom 30. Oktober 2026 meldet WHO/AFRO, dass bis zum 19. Oktober bereits mehr als 3,3 Millionen Kinder die vorgesehenen Schluckimpfungen erhalten hatten. Eine weitere Impfrunde ist für November geplant.
Die WHO beschreibt dabei eine anspruchsvolle Lage: Vertreibung, Gewalt, abgelegene Dörfer und schwer passierbare Wege verhindern, dass alle Familien sofort erreicht werden. Mobile Teams gehen deshalb von Tür zu Tür und suchen Kinder auch dort auf, wo reguläre Gesundheitsdienste schwer zugänglich sind. Der Bericht schildert unter anderem einen Hausbesuch bei einer Familie mit sieben Monate alten Zwillingen in Yei.
Warum gleichzeitig gegen zwei Poliovirus-Typen geimpft wird
Hinter der Kampagne stehen nach WHO-Angaben gleichzeitig auftretende Ausbrüche von zirkulierenden impfstoffabgeleiteten Polioviren der Typen 1 und 2, fachsprachlich cVDPV1 und cVDPV2. Bei unzureichender Immunisierung können abgeschwächte Viren aus bestimmten oralen Lebendimpfstoffen über längere Zeit in Gemeinschaften zirkulieren und sich verändern. Dadurch können sie erneut Erkrankungen verursachen. Das ist ein Grund für eine hohe und dauerhaft stabile Impfquote, nicht ein Argument gegen Impfungen.
Für die aktuellen Impfungen setzt das Land nach WHO-Angaben den neuartigen oralen Typ-2-Impfstoff nOPV2 sowie den bivalenten oralen Impfstoff bOPV ein, der die Serotypen 1 und 3 abdeckt. nOPV2 ist gegenüber älteren Typ-2-Schluckimpfstoffen genetisch stabiler. Beide Präparate erfüllen unterschiedliche Aufgaben im Ausbruchsmanagement und werden bei dieser Kampagne gemeinsam eingesetzt.
Was die bisherigen Zahlen aussagen
Bis zum 19. Oktober 2026 wurden in der WHO-Auswertung 18 Fälle von cVDPV1 und vier Fälle von cVDPV2 bei Menschen mit akuten schlaffen Lähmungen bestätigt. Zusätzlich wies die Umweltüberwachung zwei Isolate des Typs 1 und zwei des Typs 2 nach. Ein Laborfund in einer Umweltprobe ist nicht automatisch ein zusätzlicher bestätigter Erkrankungsfall. Auch die Zahl bestätigter Fälle erlaubt keine zuverlässige Aussage darüber, wie viele Infektionen insgesamt unentdeckt geblieben sind.
Die erste landesweite Impfrunde war ursprünglich für den 13. bis 16. Oktober geplant. Wegen logistischer und sicherheitsbedingter Probleme verlief die Durchführung regional zeitversetzt. Am 19. Oktober hatten 73 Countys die erste Runde abgeschlossen, sechs Countys waren noch dabei, in einem County hatte sie wegen Zugangsproblemen noch nicht begonnen.
Die WHO schreibt von mehr als 3,3 Millionen bereits geimpften Kindern und nennt dafür 84 Prozent eines operativen Ziels von 3,8 Millionen. In der Überschrift und Kampagnenbeschreibung steht hingegen ein ungefährer landesweiter Zielwert von 3,9 Millionen. Diese Rundungs- beziehungsweise Zielgrößendifferenz sollte nicht mit einer weiteren Million verwechselt werden. Entscheidend ist vor allem: Eine Zielzahl ist keine Zahl bereits erreichter Kinder; selbst eine hohe durchschnittliche Quote schließt regionale Impflücken nicht aus.
Warum die nächste Runde so wichtig ist
Für November 2026 ist eine zweite Runde angekündigt. Wiederholte Impfungen sollen den Schutz insbesondere dort verbessern, wo bei der ersten Runde Kinder nicht erreicht wurden. Dafür braucht es sichere Zugänge, Transportmöglichkeiten, gekühlte Impfstoffe, gut informierte Familien und funktionierende Überwachungssysteme. Ein abgeschlossener Aktionstag beweist noch nicht, dass eine Übertragungskette dauerhaft unterbrochen ist.
Die WHO und Partner arbeiten deshalb nicht nur an der Verabreichung der Impftropfen, sondern auch an der Erkennung weiterer Fälle, an der Umweltüberwachung und am Kontakt zu Gemeinden. Das ist für ein Land wichtig, in dem viele Familien nach Vertreibung nicht dauerhaft an einem Ort bleiben und Routineimpfungen oft schwerer zugänglich sind.
Was sich in den nächsten Wochen überprüfen lässt
Für die Bilanz der Kampagne sind mehrere Fragen entscheidend: Wie viele Kinder wurden in der zweiten Runde tatsächlich erreicht? Konnte auch der bislang unzugängliche County einbezogen werden? Bleiben ausreichend Impfstoffe und qualifizierte Teams verfügbar? Und geht der Nachweis der zirkulierenden Viren im klinischen und ökologischen Monitoring zurück?
Der Stand vom 30. Oktober belegt eine umfangreiche nationale Impfaktion und bereits Millionen erreichte Kinder. Er belegt noch nicht, dass der Ausbruch gestoppt ist oder sämtliche Kinder geschützt wurden. Gerade dieser Unterschied zwischen ernsthaftem Fortschritt und abgeschlossener Bekämpfung ist für die gesundheitspolitische Einordnung wichtig.
Originalquellen: WHO-Regionalbüro für Afrika, 30. Oktober 2026: South Sudan conducts nationwide polio vaccination campaign targeting 3.9 million children; Global Polio Eradication Initiative: Hintergrund zu Poliobekämpfung und Überwachung. Redaktioneller Stand: 2. November 2026. Fallzahlen und Impfquoten beziehen sich auf die in der WHO-Meldung genannten Stichtage, nicht auf eine neue eigene Erhebung von FMG.
Recherche und Einordnung: Melissa / KI-Redaktion Freie Medien Germany. Beitragsbild: vorhandene KI-generierte allgemeine FMG-Symbolillustration zu Gesundheit und Pflege (Mediathek-ID 1583), keine authentische Aufnahme aus dem Südsudan, keine Abbildung eines Impfstoffes und kein Originalbild einer Impfkampagne. Bild: KI / FMG.
