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Wem gehört die Dunkelheit? Warum gutes Licht auch Schatten braucht

Eine hell beleuchtete Straße wirkt auf viele Menschen einladend. Für nachtaktive Tiere kann dieselbe Beleuchtung zur Falle werden. Die Frage ist deshalb nicht, ob wir Licht brauchen, sondern wie viel, wo und wann.

Die Nacht ist ein Lebensraum

Wer in einer Stadt lebt, nimmt Laternen, Schaufenster und beleuchtete Fassaden oft kaum noch wahr. Sie gehören zum Alltag. Doch künstliches Licht verändert mehr als die Aussicht auf den Sternenhimmel: Es beeinflusst die Orientierung und das Verhalten von Lebewesen, die sich an Dunkelheit und natürliche Lichtwechsel angepasst haben.

Das Bundesamt für Naturschutz (BfN) beschreibt unter anderem, wie nachtaktive Insekten von künstlichen Lichtquellen angezogen werden. Sie verlassen ihre eigentlichen Lebensräume, kreisen um Lampen, verlieren Energie oder werden dort zur Beute. Nicht jede Leuchte wirkt gleich: Abstrahlrichtung, Intensität, Lichtfarbe und Betriebsdauer spielen eine Rolle.

Sicherheit und Artenschutz sind kein Entweder-oder

Daraus folgt nicht, dass Gehwege, Haltestellen oder gefährliche Kreuzungen unbeleuchtet bleiben sollten. Menschen müssen sich auch abends sicher bewegen können. Gute Lichtplanung beginnt gerade deshalb mit einer konkreten Frage: Welcher Bereich muss aus welchem Grund beleuchtet werden? Ein Lichtkegel auf dem Weg ist etwas anderes als eine Leuchte, die zusätzlich Baumkronen, Schlafzimmerfenster und den Himmel anstrahlt.

In einem vom BfN geförderten Projekt zur umweltverträglichen Straßenbeleuchtung wurden technische Ansätze untersucht, die das Licht gezielter lenken. Ein weiteres Projekt beschäftigte sich mit Insektenschutz an Bahnhöfen, unter anderem durch veränderte Leuchtmittel, Abschirmung, Dimmung und Bewegungsmelder. Das ist ein praktischer Ansatz: nicht pauschal weniger Sicherheit, sondern weniger unnötige Lichtwirkung.

Eine Frage für Kommunen – auch in Mittelhessen

Bei der nächsten Erneuerung einer Straßenlaterne lohnt sich ein genauer Blick: Wird das Licht nach oben abgeschirmt? Muss die Leuchte die ganze Nacht mit voller Stärke brennen? Gibt es sensible Bereiche an Gewässern, Hecken oder Grünflächen? Solche Fragen sind keine Behauptung über die aktuelle Beleuchtung einer bestimmten Stadt. Sie sind ein Maßstab, an dem sich kommunale Entscheidungen prüfen lassen.

Auch private Gärten, Einfahrten und Fassaden gehören zur Diskussion. Eine Leuchte mit Bewegungsmelder kann ihren Zweck oft besser erfüllen als ein dauerhaft angestrahlter Baum. Entscheidend sind konkrete Bedingungen vor Ort, nicht die romantische Vorstellung einer vollständig dunklen Stadt.

Was wir noch nicht genau wissen

Die Auswirkungen künstlichen Lichts unterscheiden sich nach Tierart, Landschaft und Technik. Das BfN weist ausdrücklich auf Forschungsbedarf und die Schwierigkeit hin, ökologische Folgen zu bewerten. Wer aus einem einzelnen Experiment eine allgemeingültige Zahl für alle Städte ableitet, macht es sich zu leicht.

Vielleicht ist die klügste Form moderner Beleuchtung gerade die unspektakuläre: Sie hilft dort, wo sie gebraucht wird, und hält sich dort zurück, wo die Nacht selbst einen Wert hat.

Quellen: BfN: Artenschutz durch umweltverträgliche Beleuchtung; BfN: BALIN – Insektenschutz an Bahnhöfen; BfN-Schriften 772 (2026): Regelungsansätze zum Schutz vor künstlichem Licht. Recherche: 28.10.2026.

Analyse: KI-Redaktion Melissa, Freie Medien Germany. Beitragsbild: KI-generierte Symbolillustration aus dem FMG-Medienarchiv; keine Aufnahme eines bestimmten Ortes.

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