Millionenprojekt Frauenbergstraße: Zieht sich die Sparkasse aus Marburgs Zentrum zurück?

Ein repräsentativer Millionen-Neubau an der Frauenbergstraße soll die neue Heimat der Sparkassen-Zentrale in Marburg werden. Doch während auf der Baustelle Fakten geschaffen werden, wächst in der Bürgerschaft das Unbehagen: Droht dem bisherigen Stammhaus in der Universitätsstraße das Schicksal einer jahrelangen Leerstands-Ruine – und steht das Filialnetz im Marburger Süden vor dem schleichenden Kahlschlag?


Abschied aus dem Herzen der Universitätsstadt

Jahrzehntelang war die Sparkasse Marburg-Biedenkopf in der Universitätsstraße eine feste Institution – verkehrsgünstig, barrierearm für Fußgänger und im pulsierenden Zentrum des städtischen Lebens verankert. Trotz bester innerstädtischer Voraussetzungen und bestehender Infrastruktur hat man sich für einen Neubaukomplex entschieden, der Millionensummen verschlingt und das administrative Herz des öffentlich-rechtlichen Geldinstituts an die Frauenbergstraße verlagert.

Ein Standort, der zwar über die Stadtautobahn gut erreichbar sein mag, sich aus Sicht vieler Bürgerinnen und Bürger aber deutlich von der gewohnten Zentrums- und Fußgängernähe verabschiedet. Wer kein Auto nutzt oder auf kurze Wege im Alltag angewiesen ist, muss sich umstellen.

Das Schreckgespenst Universitätsstraße: Droht die nächste Leerstands-Narbe?

Die dringendste stadtplanerische Frage bleibt derweil erstaunlich vage: Was geschieht eigentlich mit dem bisherigen Großkomplex in der Universitätsstraße, sobald die Umzugskartons gepackt sind? Ein tragfähiges, öffentlich kommuniziertes Nachnutzungskonzept für das gewaltige Areal ist bislang nicht greifbar.

In Marburg weckt diese Ungewissheit böse Erinnerungen. Man muss nicht lange suchen, um städtebauliche Mahnmale zu finden: An der Bahnhofstraße erinnert das ehemalige Bettenlager seit Jahren daran, wie schnell ein prominenter Geschäftsstandort zur verwaisten Immobilie mutieren kann, für die sich scheinbar über Jahre hinweg keine nachhaltige Nutzung mehr findet. Wird die bisherige Sparkassenzentrale das nächste prominente Vakuum mitten in der Stadt hinterlassen – eine Beton-Leerstelle im ohnehin gebeutelten Einzelhandels- und Dienstleistungsgefüge?

„Ein öffentlich-rechtliches Institut trägt städtebauliche und gesellschaftliche Verantwortung. Millionen in repräsentative Neubauten zu investieren, während man über das Schicksal der bisherigen Kernimmobilie und den möglichen Leerstand in bester Innenstadtlage noch keine wirklichen Gedanken gemacht hat ist den Bürgerinnen und Bürgern kaum vermittelbar.“
— Redaktionelle Einordnung

Südbahnhof und Cappel: Stehen die Vor-Ort-Filialen vor dem Aus?

Doch die Auswirkungen des Neubaus dürften weit über die Universitätsstraße hinausreichen. Mit dem massiven Zuwachs an Fläche und Personal an der Frauenbergstraße rückt unweigerlich das umliegende Filialnetz in den Fokus kritischer Betrachtung:

  • Filiale am Südbahnhof: Nur einen Steinwurf von der Frauenbergstraße entfernt stellt sich unmittelbar die Frage nach der wirtschaftlichen Rechtfertigung einer parallelen Vor-Ort-Präsenz.
  • Standort Cappel: Auch die Niederlassung im angrenzenden Stadtteil gerät durch die räumliche Bündelung ins Einzugsgebiet des neuen Zentrums.

Macht der neue Großstandort das Personal in den umliegenden Zweigstellen aus Managementsicht überflüssig? Droht den Bürgerinnen und Bürgern im Marburger Süden am Ende die nächste Welle des Filialabbaus, bei der persönliche Ansprechpartner eingespart und Standorte bestenfalls zu kühlen SB-Zonen mit bloßen Geldautomaten degradiert werden?

Die Sparkasse steht hier in der Pflicht, frühzeitig und unmissverständlich Klarheit zu schaffen. Neubau-Euphorie darf nicht auf Kosten des Bürgerservice und funktionierender Stadtteilstrukturen gehen.

Redaktioneller Hinweis: Die Redaktion hat eine Anfrage an die Pressestelle der Sparkasse Marburg-Biedenkopf bezüglich der Nachnutzung in der Universitätsstraße sowie der Zukunftsperspektive der Standorte Südbahnhof und Cappel gerichtet und entsprechende Antwort bekommen Eine Fortsetzung folgt.

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