Marburg zeigt Klimaforschung zum Anfassen: Was Mikroben mit CO₂ zu tun haben
Marburg, 28. Oktober 2026. Sie sind meist unsichtbar, aber ohne sie ließe sich der Kohlenstoffkreislauf der Erde kaum verstehen: Mikroorganismen. Am Freitag, 30. Oktober, eröffnet die Universitätsbibliothek Marburg um 18 Uhr die Ausstellung „Exzellenz im Dialog: Mikroben, die heimlichen Herrscher des Klimas?“. Der Eintritt ist frei. Die Ausstellung macht Spitzenforschung aus Mittelhessen mit Modellen, virtuellen Anwendungen und einem Quiz zugänglich – und wirft eine Frage auf, die weit über das Labor hinausreicht: Wie viel wissen wir tatsächlich über die Rolle kleinster Lebewesen für das Klima?
Ein Enzym mit Milliarden Jahren Geschichte
Im Mittelpunkt steht Rubisco, ein Enzym, das bei der Bindung von Kohlendioxid eine zentrale Rolle spielt. Es kommt unter anderem in Pflanzen, Algen und bestimmten Bakterien vor. In der Ausstellung sollen große, dreidimensional gedruckte Modelle zeigen, wie sich unterschiedliche Formen dieses Proteins im Lauf der Evolution entwickelt haben. Besucherinnen und Besucher können die Strukturen nicht nur betrachten: Nach Angaben der Universität sind die Modelle auch ertastbar; ein interaktives Audiosystem soll den Zugang für blinde und sehbehinderte Menschen erleichtern.
Das ist mehr als ein technischer Ausstellungseffekt. Wissenschaftliche Modelle sind oft schwer verständlich, weil sie sich mit Größenordnungen beschäftigen, die im Alltag nicht vorkommen. Wenn ein Molekül als greifbares Objekt vor einem steht, entsteht ein anderer Zugang. Zugleich bleibt wichtig: Ein 3D-Druck ist eine vereinfachte Darstellung einer wissenschaftlich untersuchten Struktur, kein vergrößertes Original.
Vom Molekül zum Klimasystem
Die Forschung des Marburger Exzellenzclusters Microbes-for-Climate untersucht, wie Mikroorganismen Kohlenstoff umsetzen, wie sie auf Umweltveränderungen reagieren und ob sich ihre Eigenschaften künftig gezielt nutzen lassen. Dabei geht es nicht um eine vermeintlich einfache technische Wunderlösung gegen die Erderwärmung. Zwischen einer Erkenntnis über Stoffwechselprozesse und einer wirksamen, großflächig einsetzbaren Klimaschutzmaßnahme liegen viele wissenschaftliche und praktische Prüfungen.
Die Ausstellung verbindet deshalb verschiedene Perspektiven: Ein Quiz lädt zum Testen des eigenen Wissens ein, eine Virtual-Reality-Anwendung macht die Bewegung von Proteinen in einer Simulation erfahrbar. Ein virtueller Rundgang über den Campus Lahnberge soll außerdem zeigen, wo die beteiligten Forschenden arbeiten. Wer die Präsentation besucht, kann also sowohl die Grundlagen als auch die Arbeitswelt der Forschung kennenlernen.
Marburg und Gießen öffnen ihre Forschung
Die Reihe „Exzellenz im Dialog“ ist ein gemeinsames Format der Universitätsbibliotheken und der vier Exzellenzcluster der Philipps-Universität Marburg und der Justus-Liebig-Universität Gießen. Auf den Auftakt in Marburg soll etwa einen Monat später ein Beitrag des Batterieforschungsclusters Post Lithium Storage in Gießen folgen. Weitere Themen der beteiligten Forschungsverbünde betreffen Herz- und Lungenerkrankungen sowie menschliche Wahrnehmung und Anpassungsfähigkeit.
Das Konzept ist auch regionalpolitisch interessant. Öffentlich geförderte Forschung gewinnt an Verständlichkeit, wenn ihre Fragen, Methoden und Grenzen nicht nur auf Fachtagungen diskutiert werden. Die Möglichkeit, Exponate auszuprobieren und mit Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern ins Gespräch zu kommen, kann die Distanz zwischen Universität und Stadtgesellschaft verringern. Ob das gelingt, wird sich an der tatsächlichen Zugänglichkeit und an den Gesprächen mit dem Publikum zeigen – nicht allein an einer gelungenen Eröffnung.
Termin und Besuch
Eröffnung: Freitag, 30. Oktober 2026, 18 Uhr, Vortragsraum der Universitätsbibliothek Marburg. Die Veranstaltung ist laut Universität bis 21 Uhr angesetzt. Die Cluster-Sprecher Anke Becker und Tobias Erb führen in die Ausstellung ein; anschließend ist eine Diskussion mit Forschungsgruppenleitungen vorgesehen. Ausstellungszeitraum: 30. Oktober 2026 bis 11. Februar 2027, im Eingangsbereich der Zentralen Universitätsbibliothek. Nach der Eröffnung kann die Ausstellung während der regulären Bibliotheksöffnungszeiten besucht werden. Eintritt: frei.
Quellen und Einordnung
- Philipps-Universität Marburg, Presseinformation vom 15. Oktober 2026: Exponate, Eröffnungsprogramm und Ausstellungsreihe.
- Philipps-Universität Marburg, Veranstaltungsankündigung vom 22. September 2026: Laufzeit und wissenschaftlicher Hintergrund.
- Universitätsbibliothek Gießen: Bestätigung des gemeinsamen Veranstaltungsformats.
- Universitätsbibliothek Marburg, offizieller Veranstaltungskalender: Termin, Uhrzeit und Ort.
Redaktioneller Hinweis: Dieser eigenständige Bericht wurde von der KI-Redaktion Melissa auf Grundlage öffentlich zugänglicher Originalquellen erstellt. Er ist keine Augenzeugenreportage. Beitragsbild: KI-generierte Symbolillustration von Freie Medien Germany, keine Aufnahme der Ausstellung.
