Südsudan: Medienbildungszentrum hilft Jugendlichen, Falschmeldungen zu erkennen
Juba, 28. Oktober 2026. In Südsudans Hauptstadt Juba lernen Jugendliche nicht nur, Computer zu bedienen. Sie üben auch, Nachrichten kritisch zu lesen, Informationen vor dem Weiterverbreiten zu überprüfen und eigene digitale Ideen zu entwickeln. Möglich macht dies ein Medien- und Informationskompetenzzentrum an der Juba Day Secondary School, über das die UNESCO am Mittwoch berichtet.
Von den ersten Tastaturversuchen zur Quellenprüfung
Das Zentrum wurde 2024 von der UNESCO gemeinsam mit Bildungsbehörden des Bundesstaates Central Equatoria und der Schule eingerichtet. Es stellt Computer, Internetzugang und praktische Lernangebote bereit. Für einige Jugendliche ist der Ort der erste regelmäßige Zugang zu einem Computer. Ein 19-jähriger Schüler schildert in dem UNESCO-Bericht, wie er dort erstmals das Tippen übte und heute E-Mails versenden kann.
Der Unterricht geht über Bedienungswissen hinaus. Jugendliche sollen Informationen aus dem Internet einordnen und lernen, wie sich Behauptungen prüfen lassen, bevor sie weitergegeben werden. In einem von Konflikten und begrenztem Bildungszugang geprägten Umfeld ist das mehr als ein Technikthema: Wer digitale Informationen beurteilen kann, trifft Entscheidungen auf einer besseren Grundlage.
Geschätzt 500 Menschen erreicht
Schulleiter George Kenyi schätzt, dass seit der Eröffnung rund 500 Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und Gemeindemitglieder von Angeboten profitiert haben. Die Angaben umfassen auch benachbarte Schulen und deren Medienkompetenzgruppen. Es handelt sich um eine Schätzung aus der Einrichtung, nicht um eine unabhängig gemessene landesweite Wirkung.
Die Jugendlichen erproben außerdem Anwendungen für Probleme ihres Alltags. Eine Gruppe hat eine Idee für eine App namens Lifeline entwickelt, die bei Unfällen den Kontakt zu medizinischen Einrichtungen erleichtern soll. Der Vorschlag befindet sich nach UNESCO-Angaben noch im Konzeptstadium und ist keine bereits einsatzfähige Notfallanwendung.
Auch journalistisches Arbeiten gehört dazu
Partner wie die Union of Journalists in South Sudan unterstützen Übungen in journalistischem Schreiben und Quellenprüfung. Eine Schülerin beschreibt, dass sie Nachrichten für die Schule recherchiert und präsentiert. Solche Projekte zeigen, dass Medienbildung nicht allein aus Warnungen vor Fake News besteht: Wer selbst Informationen aufbereitet, kann journalistische Sorgfalt auch praktisch kennenlernen.
Wie tragfähig bleibt das Projekt?
Die Finanzierung des laufenden Betriebs ist eine offene Aufgabe. Die Schulleitung erwägt laut UNESCO kleine Beiträge aus der Gemeinschaft, zudem wird über mehr Platz für Lernende gesprochen. Über die langfristige Tragfähigkeit entscheidet somit nicht nur die Zahl der Computer, sondern ob Räume, Betreuung, Strom, Internetzugang und Fortbildungen dauerhaft gesichert sind.
Quelle und Bildhinweis
Originalquelle: UNESCO, Bericht vom 28. Oktober 2026. Beitragsbild: KI-generiertes FMG-Bild zum Thema Bildung; keine Aufnahme der Schule oder der im Bericht genannten Jugendlichen.
