EU-Gasspeicher nur zu 75 Prozent gefüllt: Energiebehörde warnt vor teurem Winter
Brüssel/Ljubljana, 28. Oktober 2026. Europas unterirdische Gasspeicher waren am 21. Oktober 2026 zu 75 Prozent gefüllt. Das geht aus dem am Dienstag veröffentlichten Monitoringbericht der EU-Energieagentur ACER hervor. Der Wert liegt unter den historischen Vergleichswerten. Die Behörde warnt davor, dass ein enger globaler Flüssiggasmarkt und geopolitische Störungen die Versorgung im Winter 2026/27 verteuern können.
Weniger Vorrat als in früheren Jahren
Zum Ende der Heizperiode 2025/26 lagen die europäischen Speicher laut ACER bei nur noch 28 Prozent ihrer Kapazität. Ein Jahr zuvor waren es 34 Prozent. Das anschließende Auffüllen verlief langsamer und teurer. Den oberen Schätzwert der Gesamtkosten für das Wiederbefüllen 2026 gibt ACER mit 27 Milliarden Euro an.
Die Speicherstände unterscheiden sich zwischen den einzelnen Staaten. Die europaweite Quote von 75 Prozent ist deshalb keine Angabe darüber, wie voll eine bestimmte Anlage in Deutschland oder Mittelhessen ist. Auch bedeutet sie nicht, dass unmittelbar eine Versorgungskrise besteht.
Warum Flüssiggas so wichtig geworden ist
Nach Angaben der Behörde deckt LNG aus den USA rund 30 Prozent der gesamten EU-Gasversorgung, während russisches Gas insgesamt noch etwa elf Prozent ausmacht. Die Gesamtimporte von Flüssiggas in die EU sanken im Sommer 2026 um 14 Prozent. Bedeutende Lieferungen aus Katar blieben laut Bericht wegen der Störungen im Nahen Osten aus.
ACER schätzt, dass der Konflikt im Nahen Osten Europas Gasimportrechnung für dieselbe Gasmenge um 18 bis 33 Milliarden Euro erhöht hat. Im Oktober lagen kurzfristige Großhandelspreise zeitweise nahe 90 Euro pro Megawattstunde. Großhandelspreise sind allerdings nicht identisch mit den Beträgen, die private Haushalte unmittelbar auf ihrer Gasrechnung zahlen.
Der Winter hängt auch vom Wetter ab
Ein kalter Winter lässt den Verbrauch steigen und Speicher schneller sinken. Ein milder Winter kann den Druck mindern. Hinzu kommen industrielle Nachfrage, Stromerzeugung aus Gas und die Verfügbarkeit zusätzlicher LNG-Lieferungen. ACER erinnert zugleich daran, dass die europäische Gasnachfrage seit der Energiekrise 2022 um etwa 20 Prozent zurückgegangen ist. Das hilft, die niedrigeren Lagerbestände teilweise einzuordnen.
Was Verbraucher daraus ableiten können
Eine EU-weite Speicherquote allein erlaubt keine verlässliche Prognose für die nächste Rechnung. Preisentwicklungen hängen vom jeweiligen Tarif, von Beschaffungsstrategien, Netzentgelten und Steuern ab. Der Bericht ist vor allem ein Signal an Politik und Unternehmen, Risiken der Beschaffung transparent zu beobachten und unnötige Abhängigkeiten zu verringern. Auch wirksam eingesparte Energie kann die Versorgungslage entlasten.
Quelle und Bildhinweis
EU-Agentur ACER, „EU gas storage is 75% filled“, 27. Oktober 2026. Beitragsbild: KI-generiertes FMG-Symbolbild zum Themenfeld Wirtschaft und Energie, keine Aufnahme einer konkreten Speicheranlage.
