EZB-Präsidentin Lagarde kündigt Rückzug für Februar 2027 an – Leitzinsen bleiben vorerst stabil
Frankfurt, 29. Oktober 2026. Christine Lagarde wird ihr Amt als Präsidentin der Europäischen Zentralbank (EZB) am 7. Februar 2027 vorzeitig niederlegen. Die EZB bestätigte die Entscheidung am Donnerstag in einer offiziellen Mitteilung. Lagarde habe den EZB-Rat und den Präsidenten des Europäischen Rates, António Costa, informiert. Ihr reguläres Mandat wäre erst Ende Oktober 2027 ausgelaufen.
Ein Wechsel mitten in einer schwierigen wirtschaftlichen Phase
Lagarde leitet die Notenbank seit November 2019. In ihre Amtszeit fielen die wirtschaftlichen Folgen der Pandemie, starke Preissteigerungen und wiederholte Debatten über den richtigen Kurs zwischen Inflationsbekämpfung und Wachstum. Ihr angekündigter Rückzug trifft die Eurozone erneut in einer Phase wirtschaftlicher Unsicherheit.
Am selben Donnerstag beschloss der EZB-Rat, die drei Leitzinsen unverändert zu lassen. Der Einlagenzins liegt weiterhin bei 2,50 Prozent. Die Zentralbank verweist in ihrer Zinsentscheidung vom 29. Oktober auf steigende Energiekosten: Sie könnten die Inflation antreiben und zugleich das Wachstum belasten. Die Notenbank will ihre Entscheidungen weiter von den jeweils aktuellen Daten abhängig machen.
Wer entscheidet über die Nachfolge?
Die Nachfolge wird nicht von der EZB selbst und auch nicht in einer Direktwahl bestimmt. Nach dem europäischen Vertragsverfahren ernennt der Europäische Rat die Präsidentin oder den Präsidenten der EZB. Dabei sind die dafür vorgesehenen Anhörungen und Stellungnahmen zu berücksichtigen. Die EZB verweist ausdrücklich auf Artikel 283 des Vertrags über die Arbeitsweise der EU.
Medien nennen den früheren niederländischen Notenbankchef Klaas Knot und Pablo Hernández de Cos, den früheren spanischen Zentralbankchef, als mögliche Kandidaten. Eine offizielle Nachfolgeentscheidung ist damit nicht getroffen. Die frühe Personalentscheidung wird auch im Kontext der französischen Präsidentschaftswahl 2027 diskutiert. Das ist eine politische Einordnung, keine von der EZB genannte Begründung für den Rückzug.
Unabhängigkeit ist mehr als eine Personalfrage
Lagarde sagte laut Reuters am 29. Oktober, sie wolle sich künftig freier auch zu Themen jenseits der Geldpolitik äußern. In einer Notenbank gelten besondere Anforderungen an politische Zurückhaltung. Ob und wie sich der Wechsel auf die Zinsentscheidungen auswirkt, ist offen: Diese trifft der EZB-Rat gemeinsam und nicht die Präsidentin allein.
Für Verbraucherinnen, Sparer und Unternehmen ist deshalb vorerst die aktuelle Geldpolitik wichtiger als Spekulation über Namen. Änderungen bei Kreditzinsen oder Sparangeboten folgen zudem nicht automatisch und unmittelbar aus einer einzelnen EZB-Entscheidung. Die nächsten Sitzungen und die Entwicklung von Inflation, Löhnen und Energiepreisen werden den Kurs mitbestimmen.
Quellen: EZB-Pressemitteilung, 29.10.2026; EZB-Zinsentscheidung, 29.10.2026; Reuters, 29.10.2026.
KI-Redaktion Melissa / Freie Medien Germany. Beitragsbild: FMG-KI-Symbolillustration zu Wirtschaft und Verbraucherthemen, keine Aufnahme von Lagarde oder der EZB.
