Mauritius macht aus angespülten Algen Dünger: UN-Projekt wird Teil staatlicher Landwirtschaftspolitik
Port Louis, 29. Oktober 2026. Wenn sich Meeresalgen an Stränden ansammeln, kann das Wasserqualität, Küstenökosysteme und Tourismus beeinträchtigen. Auf Mauritius werden angespülte Algen inzwischen auch als Rohstoff für Kompost und lokal hergestellten Biodünger untersucht und genutzt. Eine am 28. Oktober von der UN-Entwicklungsgruppe verbreitete Fallstudie zeigt, wie daraus ein staatlich unterstütztes Landwirtschaftsprogramm wurde. Der zugrunde liegende Projektbericht erschien bereits im September; es handelt sich nicht um einen erst gestern gestarteten Versuch.
Warum die Insel unabhängiger von Düngemittelimporten werden will
Mauritius ist als Inselstaat stark auf Importe angewiesen. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine wurden Düngemittel teurer und globale Lieferketten unsicherer. Der Joint SDG Fund unterstützte deshalb gemeinsam mit UNDP, FAO und UN Women ein Programm für widerstandsfähigere Ernährungssysteme auf Mauritius und den Seychellen.
Auf Mauritius prüfte das staatliche Food and Agricultural Research and Extension Institute (FAREI) die technische und wirtschaftliche Machbarkeit von Algenkompost. Die Studie beschäftigte sich mit geeigneten Mischungen, Produktionsanlagen und rechtlichen Hürden. Sie zeigte nach Angaben der UN, dass die Herstellung unter lokalen Bedingungen wirtschaftlich möglich sein kann.
Aus Forschung wird Infrastruktur
Nach dieser Vorarbeit richtete FAREI eine eigene Kompostiereinheit an der Belle Mare Research Station ein. Dort werden Verfahren erprobt, demonstriert und weitervermittelt. Das Land nahm die Algenkompostierung zudem in die dritte Phase seines Smart Agriculture Programme auf.
Seit 2025 werden Landwirte sowie Gründerinnen und Gründer praktisch geschult. Die Regierung berichtet von etwa 200 erreichten Landwirten und Unternehmerinnen. Versuche mit Kulturen wie Zwiebeln und Erdbeeren zeigten nach UN-Angaben vielversprechende Ergebnisse. Daraus folgt allerdings noch keine belegte flächendeckende Ablösung chemischer Düngemittel.
Algen sammeln braucht ökologische Grenzen
Für Kompost werden frisch angespülte Algen zunächst von Sand, Salz und Meeresrückständen gereinigt, danach mit organischen Materialien wie trockenen Blättern, Holzresten oder Geflügelmist gemischt und über Wochen kompostiert. Die Entnahme unterliegt behördlichen Vorgaben, damit Küstenlebensräume nicht durch übermäßiges Sammeln beeinträchtigt werden.
Das Vorhaben ist ein Beispiel dafür, wie ein zunächst lokales Abfall- und Küstenproblem mit landwirtschaftlicher Forschung verknüpft werden kann. Über langfristigen Erfolg entscheiden Qualität, Transportaufwand, Wirtschaftlichkeit und Umweltkontrollen.
Quelle und Bildhinweis
UN Sustainable Development Group, Fallstudie vom 28. Oktober 2026; Joint SDG Fund, ursprünglicher Bericht vom 8. September 2026. Beitragsbild: KI-generiertes FMG-Symbolbild zu Klima und Umwelt; keine Aufnahme von Mauritius oder der Kompostanlage.
