Ukraine: WHO und Schweden stärken Blutversorgung – Ausrüstung für 17 Zentren und neue Labortests
Kiew/Genf, 4. November 2026. Sichere Bluttransfusionen sind im Krieg überlebenswichtig. Die Weltgesundheitsorganisation WHO hat am Mittwoch neue Einzelheiten darüber mitgeteilt, wie sie mit finanzieller Unterstützung der schwedischen Entwicklungsagentur Sida das Blutspendewesen und die Laborkapazitäten der Ukraine stärkt. Nach ihren Angaben erhielten 17 regionale Blutzentren moderne Zentrifugen, die bei der Verarbeitung gespendeten Blutes helfen sollen.
Warum Blutbanken unter besonderem Druck stehen
Angriffe auf die Gesundheits- und Energieinfrastruktur, zusätzliche Notfallbehandlungen und der Bedarf an Operationen belasten medizinische Einrichtungen in der Ukraine. Die WHO verweist auf eine wachsende Zahl schwer verletzter Patientinnen und Patienten mit komplexen Verletzungen. Der Leiter des Blutdienstzentrums des Kiewer Kinderkrankenhauses Okhmatdyt, Dmytro Peretiatko, schildert in der Mitteilung, dass mehr chirurgische Eingriffe und schwer kranke Menschen den Bedarf an Blutspendern und den Arbeitsaufwand erhöhten.
Die Versorgung hängt dabei nicht allein davon ab, dass genügend Menschen Blut spenden. Blutkonserven und Blutbestandteile müssen sachgerecht entnommen, geprüft, aufbereitet, gelagert und für Behandlungen bereitgestellt werden. Ein Fehler im Ablauf kann die Sicherheit der Transfusion gefährden. Genau an mehreren dieser technischen und organisatorischen Stellen setzt das WHO-Projekt an.
Neue Technik für die Verarbeitung und Untersuchung
Die WHO berichtet, sie habe 17 regionalen Blutzentren Zentrifugen zur Verfügung gestellt. Diese Geräte dienen dazu, Bestandteile gespendeten Blutes zu trennen und Verarbeitungsschritte zu vereinheitlichen. Die Maßnahme ist ein Ausrüstungsbeitrag; daraus lässt sich allein noch nicht ablesen, wie viele zusätzliche Transfusionen dadurch bereits ermöglicht oder wie viele Komplikationen verhindert wurden.
Außerdem unterstützt die WHO den Aufbau eines Nationalen Referenzlabors des ukrainischen Blutdienstes in Winnyzja (Vinnytsia). Dieses befindet sich laut Mitteilung noch in Entwicklung. Geliefert wurden unter anderem Geräte und Verbrauchsmaterial für bestätigende Untersuchungen sowie eine automatisierte Plattform zum Screening von Blutspenden. Die technische Plattform umfasst mehrere Arbeitsschritte bis hin zu PCR-Tests. Das ist eine Investition in Testkapazität, nicht die Meldung eines bereits vollständig abgeschlossenen Laboraufbaus.
Material für sämtliche 24 regionalen Blutzentren
Auf Bitte des ukrainischen Gesundheitsministeriums hat die WHO nach eigenen Angaben Blutentnahmebehälter an alle 24 regionalen Blutzentren geliefert. Hinzu kommen Materialien für die biologische Sicherheit, die Abläufe über kommende Jahre unterstützen sollen.
Im Blutzentrum der Region Ternopil stellte die WHO laut eigener Darstellung außerdem Reagenzien bereit. Damit soll die Untersuchung auf Hepatitis B, Hepatitis C, HIV und Syphilis für die kommenden sechs Monate abgesichert werden. Solche Tests dienen dazu, das Risiko einer Übertragung durch Bluttransfusionen zu reduzieren. Die genannte Reichweite von sechs Monaten betrifft diese Lieferung – sie darf nicht mit einer landesweiten Garantie für alle Testmaterialien verwechselt werden.
Mehr als 1.500 Fachleute geschult
Die Zusammenarbeit umfasst nach WHO-Angaben auch Fortbildungen: Mehr als 1.500 Fachleute aus Laboren, Blutdiensten, Einrichtungen zur Krankheitsprävention und Krankenhäusern haben an Schulungsangeboten teilgenommen. Zu den Themen gehörten PCR-Tests, Laborsicherheit und Qualitätsmanagement. Die Kurse behandelten beispielsweise Risikobewertung, Schutzkleidung, Desinfektion, sichere Geräteanwendung und den Umgang mit Laborabfällen.
Vier Blutspendeeinrichtungen auf Ebene der ukrainischen Verwaltungsregionen erhielten zudem Unterstützung bei der Vorbereitung ihrer Labore auf eine Akkreditierung nach ISO 15189. Wichtig ist die Unterscheidung: Vorbereitung auf eine Akkreditierung bedeutet nicht, dass diese bereits erteilt wurde. Die Norm befasst sich mit Qualität und Kompetenz medizinischer Labore.
Was die Zusammenarbeit belegt – und was noch offen ist
Das Programm verbindet kurzfristig benötigte Verbrauchsmaterialien mit langfristiger Ausstattung und Qualifizierung. Die WHO bewertet dies als Beitrag zu einer widerstandsfähigeren Blutversorgung und zur Annäherung an internationale Standards. Ihre Mitteilung liefert konkrete Angaben über beschaffte Ausrüstung und erreichte Weiterbildungsteilnehmende. Sie enthält jedoch keine unabhängige landesweite Wirkungsbilanz, mit der sich eine gesunkene Komplikationsrate oder die langfristige Verfügbarkeit von Blutspenden bereits beziffern ließe.
Dafür wären weitere Indikatoren nötig: Funktionieren die angeschafften Geräte dauerhaft? Stehen Testreagenzien kontinuierlich zur Verfügung? Wie zuverlässig erreichen Blutkomponenten die Kliniken? Bleiben Schutz und Ausbildung der Mitarbeitenden auch unter Kriegsbedingungen gewährleistet? Solche Fragen sind redaktionelle Prüfkriterien und keine von der WHO berichteten Mängel.
Der Kern der Nachricht ist dennoch konkret: Während der Krieg die Gesundheitsversorgung belastet, versuchen internationale Partner, die Infrastruktur hinter sicheren Bluttransfusionen zu stabilisieren. Der Bedarf endet nicht mit einer einzelnen Lieferung.
Quellen und Bildnachweis
Originalquelle: WHO-Regionalbüro Europa, Pressemitteilung „WHO and Sida bolster Ukraine’s blood system and laboratory capacity“, 4. November 2026. Zahlen zu Ausstattung, Lieferungen, Fortbildungen und Laboraufbau sind Angaben der WHO; die Redaktion hat Lieferungen und klinische Wirkungen nicht eigenständig vor Ort überprüft.
Beitragsbild: Vorhandenes KI-generiertes FMG-Symbolbild „Gesundheit und Pflege“ mit fiktiver Krankenhausszene; keine Aufnahme aus einem ukrainischen Blutspendezentrum oder der berichteten Lieferungen. Redaktion: KI-Redaktion Melissa / Freie Medien Germany.
