Bulgarien sucht Pflegefamilien für unbegleitete Flüchtlingskinder – UNICEF nennt konkrete Versorgungslücken
29. Oktober 2026. In Bulgarien wollen UNICEF, die staatliche Flüchtlingsagentur und mehrere Kommunen mehr Pflegefamilien für unbegleitete geflüchtete Kinder gewinnen. Die heute in Sofia vorgestellte Kampagne soll nicht nur auf Hilfsbereitschaft setzen, sondern eine strukturelle Lücke schließen: Kinder, die ohne Eltern oder verantwortliche Erwachsene ankommen, brauchen verlässliche Betreuung, die über eine kurzfristige Unterbringung hinausgeht.
Vier Pflegefamilien-Unterbringungen in 174 bearbeiteten Fällen
Die von UNICEF veröffentlichten Zahlen zeigen, warum das Thema drängt. 573 unbegleitete geflüchtete Kinder suchten demnach 2025 in Bulgarien Schutz. Unabhängig davon meldet die bulgarische Sozialhilfeagentur für dasselbe Jahr 174 Fälle unbegleiteter Kinder, in denen Kinderschutzmaßnahmen ergriffen wurden. Von diesen 174 Kindern erhielten 155 Unterstützung in stationären oder wohnähnlichen Einrichtungen, 15 wurden bei Verwandten und vier in Pflegefamilien untergebracht.
Wichtig ist die Unterscheidung der beiden Statistiken: Die 573 Schutzsuchenden und die 174 bearbeiteten Kinderschutzfälle sind nicht automatisch identische Grundgesamtheiten. Die vier Pflegefamilien-Unterbringungen dürfen deshalb nicht ohne Weiteres als Anteil aller 573 Kinder interpretiert werden. Schon innerhalb der 174 dokumentierten Maßnahmen wird allerdings sichtbar, dass familienbasierte Pflege bislang nur eine kleine Rolle spielt.
EU-gefördertes Pilotprojekt mit mehreren Kommunen
Die Kampagne gehört zu einem von der Europäischen Union mitfinanzierten Pilotprojekt für alternative soziale Dienste. Beteiligt sind nach UNICEF-Angaben die bulgarische staatliche Flüchtlingsagentur, die Internationale Organisation für Migration, UNICEF sowie die Kommunen Burgas, Ivaylovgrad, Malko Tarnovo und Tundzha. Die nationale Sozialhilfeagentur unterstützt das Vorhaben.
Die beteiligten Stellen wollen Menschen ermutigen, als Pflegeeltern Verantwortung zu übernehmen. Dabei geht es nicht bloß um ein freies Zimmer: Kinder, die Trennung, Gewalt oder Flucht erlebt haben, können besondere sprachliche, kulturelle und psychosoziale Unterstützung benötigen. Pflegefamilien brauchen dafür fachliche Begleitung und verlässliche Rahmenbedingungen. Wie viele neue Pflegeplätze die Kampagne tatsächlich schafft, ist aus der heutigen Mitteilung noch nicht abzulesen.
Kinderrechte statt bloßer Unterbringungsstatistik
Ein Kind in Sicherheit zu bringen, ist die erste Aufgabe. Doch Sicherheit allein beantwortet nicht die Frage nach Schule, Sprache, Bindung und langfristiger Perspektive. Der Ansatz familiennaher Betreuung kann helfen, wenn die Pflegeverhältnisse sorgfältig ausgewählt und unterstützt werden. Zugleich wäre es voreilig, Einrichtungen pauschal als ungeeignet darzustellen: Entscheidend sind Schutz, Qualität und die individuellen Bedürfnisse des Kindes.
Quelle: UNICEF Bulgarien, Pressemitteilung vom 29.10.2026 mit Angaben der bulgarischen Behörden. Die gemeldeten Zahlen beziehen sich auf 2025; die Kampagne wurde am 29.10.2026 angekündigt. Beitragsbild: KI-generierte Symbolillustration zu sozialen Fragen / Freie Medien Germany; keine Aufnahme betroffener Kinder. Text: Melissa, KI-Redaktion Freie Medien Germany.
