Symbolbild, KI-generierte Illustration zum Themenbereich klima umwelt wetter.
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UNICEF: Angriffe auf Wasserversorgung in Kriegsgebieten verdreifacht – Kinder besonders betroffen

New York/Köln, 5. November 2026. Die Zahl der gemeldeten Angriffe, bei denen Wasser- und Sanitärsysteme in bewaffneten Konflikten beschädigt oder zerstört wurden, hat sich zwischen 2021 und 2025 verdreifacht. Zu diesem Ergebnis kommt der neue UNICEF-Bericht Water Under Fire, Volume 4, den das UN-Kinderhilfswerk am Donnerstag veröffentlicht hat. Für Kinder bedeutet der Ausfall solcher Systeme weit mehr als fehlendes Trinkwasser: Auch Krankenhäuser, Ernährung, Hygiene und Unterricht geraten unter Druck.

Was UNICEF untersucht hat – und was nicht

Der Bericht wertet dokumentierte Vorgänge aus 23 Ländern und Gebieten für den Zeitraum Januar 2021 bis Juni 2026 aus. Die genannte Verdreifachung bezieht sich auf die gemeldeten Angriffe mit Beschädigungen oder Zerstörungen in den Jahren 2021 bis 2025. Sie beschreibt keine überall vollständige Erfassung aller Ereignisse. UNICEF betont vielmehr, dass es keinen lückenlosen globalen Mechanismus zur Dokumentation derartiger Angriffe gibt.

Zur Einordnung ist außerdem wichtig, worüber die Organisation spricht: Unter dem englischen Kürzel WASH fasst UNICEF Water, Sanitation and Hygiene zusammen – also Trinkwasser, Abwasser- und Sanitärversorgung sowie Hygiene. Nicht nur eine zerstörte Leitung kann diese Systeme gefährden: Auch verschmutztes Wasser, fehlende Aufbereitungschemikalien oder Angriffe auf Beschäftigte können die Versorgung unterbrechen.

Sieben Formen von Angriffen und Behinderungen

UNICEF beschreibt sieben Angriffsmuster, die das Funktionieren der Versorgungsnetze beeinträchtigen. Dazu gehören direkte Beschädigungen von Aufbereitungsanlagen, Brunnen und Rohrleitungen, aber auch die Verunreinigung von Quellen und Einschränkungen bei notwendigen Ersatzteilen oder Behandlungsmitteln. Ein beschädigtes Stromnetz kann Pumpen und Wasserwerke ebenfalls zum Stillstand bringen, ohne dass deren Gebäude direkt getroffen wurden.

Die dokumentierten Beispiele zeigen, wie unterschiedlich die Folgen aussehen. Im Sudan war laut Bericht bis März 2024 nur noch eine von 13 Wasseraufbereitungsanlagen im Bundesstaat Khartum funktionsfähig. In Burkina Faso wurden demnach zwischen 2020 und 2025 mehr als 145 Wasserstellen bei Angriffen zerstört; rund 830.000 Menschen verloren dadurch den Zugang zur Versorgung, mehr als die Hälfte davon Kinder.

Aus dem Gazastreifen meldet UNICEF seit Oktober 2023 Schäden an mehr als 130.000 Metern Abwasserleitungen. Unbehandeltes Abwasser gelangte dadurch ins Mittelmeer oder in provisorische Becken. Diese Angaben beziehen sich jeweils auf unterschiedliche Länder, Zeiträume und Schadensarten. Sie dürfen deshalb nicht als direkt vergleichbare nationale Angriffsraten oder als abschließende Gesamtsummen gelesen werden.

Wenn die Wasserversorgung ausfällt, geraten weitere Dienste in Gefahr

Ohne verlässliches sauberes Wasser können Gesundheitseinrichtungen Medikamente und Instrumente nicht wie vorgesehen aufbereiten, Hygienestandards nur eingeschränkt einhalten oder schwer mangelernährte Kinder nicht immer sicher versorgen. Verunreinigtes Trinkwasser kann Durchfallerkrankungen und andere Infektionen begünstigen. Gerade bei geschwächten Kindern kann das lebensgefährlich sein.

Im Osten des Tschad etwa registrierten Gesundheitsbehörden zwischen Januar und April 2024 laut UNICEF 2.092 Verdachtsfälle von Hepatitis E in Lagern für Menschen, die aus dem Sudan geflohen waren. Die Hälfte der Verdachtsfälle betraf Kinder im Alter von sechs bis 17 Jahren. Ein Verdachtsfall ist dabei nicht automatisch eine durch Laboruntersuchungen bestätigte Erkrankung.

Wer Wasser nur an entfernten Stellen holen kann, benötigt mehr Zeit und muss unter Umständen gefährliche Wege zurücklegen. UNICEF weist darauf hin, dass diese Aufgaben häufig Frauen und Mädchen übernehmen und dass längere Wege das Risiko von Gewalt erhöhen sowie Schulbesuche erschweren können. Auch die Menschen, die Wasseranlagen betreiben und reparieren, sind gefährdet: 2024 wurden nach UN-Angaben 14 Mitarbeitende libanesischer Wasserwerke während des Konflikts getötet.

Wie sich Versorgungssysteme widerstandsfähiger machen lassen

UNICEF stellt im Bericht Ansätze vor, mit denen lokale Akteure die Versorgung auch während Konflikten aufrechterhalten: kleinere, dezentrale Anlagen, zuvor beschaffte Ersatzteile, die Ausbildung örtlicher Reparaturkräfte oder Energieversorgung unabhängig von Brennstofflieferungen und dem zentralen Stromnetz. In Afghanistan werden nach UNICEF-Angaben inzwischen rund 65 Prozent der vom Kinderhilfswerk unterstützten Wassersysteme mit Solarstrom betrieben. Diese Quote bezieht sich auf die unterstützten Systeme – nicht auf alle Wasseranlagen Afghanistans.

Solche Vorkehrungen helfen im Krisenfall, sie machen gezielte Angriffe aber weder harmlos noch rechtlich zulässig. UNICEF fordert deshalb ausdrücklich den Schutz ziviler Wasser- und Sanitärinfrastruktur. Die völkerrechtliche Bewertung einzelner Vorfälle setzt stets die Prüfung des jeweiligen Sachverhalts voraus; aus diesem Gesamtbericht allein lässt sich nicht jeder konkrete Angriff einem bestimmten Täter oder einer einzelnen Rechtsverletzung zuordnen.

Fast 138 Millionen Menschen benötigen Hilfe

Die Organisation beziffert den Bedarf an humanitärer Hilfe für Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene in Ländern mit koordinierter WASH-Nothilfe auf 137,9 Millionen Menschen. Für die entsprechenden Programme waren nach UNICEF-Angaben zum Zeitpunkt der Veröffentlichung nur 26 Prozent der für 2026 benötigten Gelder eingegangen. Diese Finanzierungsquote ist ein Programmstand, keine Aussage darüber, dass exakt 74 Prozent der benötigten Anlagen fehlen.

UNICEF ruft Konfliktparteien, Regierungen und Geldgeber dazu auf, Angriffe besser zu erfassen, das Personal und die Infrastruktur zu schützen, Zugang für Hilfsteams zu sichern und in robuste, örtlich organisierte Versorgungssysteme zu investieren. Der Appell hat einen einfachen Hintergrund: Wo Wasser und Abwasserentsorgung ausfallen, verschärft sich auch die Gesundheits- und Schutzkrise.

Originalquellen und Bildnachweis

Quellen: UNICEF Deutschland, Pressemitteilung vom 5. November 2026; UNICEF international, „Reported attacks damaging water systems in conflict triple…“, 5. November 2026; UNICEF, Water Under Fire, Volume 4 (Berichtsseite). Alle genannten Fallzahlen und länderspezifischen Beispiele stammen aus der UNICEF-Dokumentation; FMG hat die erfassten Angriffe nicht selbst vor Ort überprüft.

Beitragsbild: Bereits vorhandene, KI-generierte FMG-Symbolillustration zu Klima und Umwelt. Sie zeigt keine reale angegriffene Wasseranlage und keine betroffenen Kinder. Redaktion: KI-Redaktion Melissa / Freie Medien Germany.

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