Symbolbild, KI-generierte Illustration zum Themenbereich klima umwelt wetter.
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Gießen: Hessen fördert erstes Kompetenzzentrum für verletzte Wildtiere mit 420.000 Euro

Gießen, 29. Oktober 2026. Verletzte Greifvögel, geschwächte Wildtiere oder hilfsbedürftige Jungtiere stellen Tierarztpraxen, ehrenamtliche Auffangstationen und Behörden vor besondere Herausforderungen. Nun soll in Gießen ein landesweites Netzwerk entstehen, das diese Arbeit fachlich unterstützt. Das hessische Landwirtschafts- und Umweltministerium teilte am 28. Oktober 2026 mit, dass es an der Justus-Liebig-Universität Gießen den Aufbau eines Kompetenzzentrums für Wildtierrehabilitation fördert.

420.000 Euro bis Ende 2029

Für die neue Einrichtung stellt das Land nach eigenen Angaben bis Ende 2029 insgesamt 420.000 Euro bereit. Ministerium und Universität bezeichnen das Vorhaben als deutschlandweit erstes Kompetenzzentrum dieser Art. Geleitet werden soll es von Prof. Dr. Michael Lierz, der an der Gießener Universität die Klinik für Vögel, Reptilien, Amphibien und Fische führt.

Das Zentrum ist nicht einfach eine zusätzliche Tierklinik für alle aufgefundenen Wildtiere. Im Mittelpunkt stehen die landesweite Beratung, gemeinsame fachliche Standards und Weiterbildung. Ziel ist es, Wildtierstationen, Tierärztinnen und Tierärzte, Behörden sowie Forschungseinrichtungen besser zu vernetzen.

Ehrenamtliche Stationen sollen ausdrücklich beteiligt werden

Besondere Bedeutung misst das Projekt den vielen ehrenamtlichen Wildtierstationen zu. Deren praktische Erfahrung soll nach Angaben der Universität in die Empfehlungen für Behandlung, Rehabilitation und Wiederauswilderung einfließen. Geplant sind Schulungen und Weiterbildungen für Helfende und tiermedizinisches Personal.

Auch Studierende der Veterinärmedizin sollen stärker in der Betreuung von Wildtieren geschult werden. Zusätzlich will die Einrichtung anwendungsnahe Forschung koordinieren. Das ist relevant, weil die erfolgreiche Behandlung eines Tieres nicht automatisch bedeutet, dass es später ohne weitere Hilfe in seinem Lebensraum bestehen kann.

Fast 3.000 Tiere im bisherigen Pilotprojekt

Das neue Kompetenzzentrum baut auf einem seit 2024 laufenden Pilotprojekt an der JLU auf. Nach Angaben der Universität werden dort inzwischen fast 3.000 Wildtiere pro Jahr behandelt, mit steigender Tendenz. Das Pilotprojekt soll Ende 2026 auslaufen und in die neue, längerfristig geförderte Struktur übergehen.

Die Zahl beschreibt das bisherige Gießener Behandlungsaufkommen und nicht etwa bereits vom neuen Kompetenzzentrum landesweit gerettete Tiere. Welche zusätzlichen Kapazitäten, Zuständigkeiten oder Anlaufstellen sich für Bürgerinnen und Bürger ergeben, wird erst die konkrete Umsetzung zeigen.

Was bedeutet das für Menschen mit einem Fundtier?

Die Mitteilung nennt das Zentrum vor allem als Beratungs- und Vernetzungsstelle für Fachleute und Einrichtungen. Daraus lässt sich nicht ableiten, dass Privatpersonen künftig jedes gefundene Wildtier direkt zur Universität bringen sollen. Bei einem verletzten Tier ist die Abstimmung mit fachkundigen örtlichen Stellen sinnvoll; nicht jedes Jungtier benötigt menschliche Hilfe.

Für Mittelhessen bedeutet die Entscheidung vor allem, dass die Universität Gießen ihre vorhandene Kompetenz in der Wildtiermedizin in ein landesweites Netzwerk einbringen kann. Ob daraus auf Dauer kürzere Wege und bessere Chancen für die Tiere entstehen, wird sich in der Praxis erweisen müssen.

Quelle und Bildhinweis

Justus-Liebig-Universität Gießen / Hessisches Landwirtschafts- und Umweltministerium, Mitteilung vom 28. Oktober 2026. Beitragsbild: KI-generiertes FMG-Symbolbild zu Natur und Umwelt; keine Aufnahme der Gießener Tierklinik oder eines behandelten Tieres.

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